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Alleinerziehender Papa

Alleinerziehender Papa




















Man kann es nicht planen, man rechnet nicht damit und im Grunde ist es das Schlimmste was einem passieren kann, wenn Nachwuchs auf die Welt gekommen ist: Die Frau macht Schluß zieht aus und es stellt sich die Frage: Was ist mit dem Kind?

Vor 20 Jahren hätte es darüber keine Diskussion gegeben. Das Kind wäre ohne Umschweife mit der Mama ausgezogen, der Vater hätte Unterhalt bezahlen müssen. Auch wenn die klassische Denkweise "Das Kind gehört zur Mutter" immer noch sehr in den Köpfen verankert ist (vor allem in den Köpfen der Richter) haben sich die Zeiten diesbezüglich zum Glück etwas verändert.

Denn nicht immer ist der Vater der "Böse", der die Mutter betrügt so dass sie enttäuscht und wütend ausziehen muss.... Es kann auch genau andersherum sein. 

Bei mir war es andersherum. Oder sagen wir so ähnlich. Nach 7 Jahren Beziehung beschloss meine Exfreundin ein Jahr nach der Geburt unseres Sohnes, das "wilde" Leben nachzuholen. Sie war nur noch weg, Party hier Freundestreffen da feiern gehen am Wochenende. Bis sie dann endgültig auszog. 

Und selbst vor dem Auszug steht man als Vater mit Vollzeitbeschäftigung erst einmal dumm da. 

Für mich war zunächst klar, dass es galt eventuell zu retten was noch zu retten ist. Mama und Papa in familiärem Umfeld sind schliesslich das Beste für ein kleines Kind. Doch meine Bemühungen schlugen fehl. Noch unangenehmer wird es natürlich, wenn die Exfreundin nach 7 Jahren Beziehung quasi nahtlos eine neue beginnt. Und auch wenn diese nur ein paar Wochen anhielt macht es einem schon zu schaffen, wie man seine Familie so schmälich im Stich lassen kann.

Für mich war klar, dass ich um meinen Sohn kämpfen werde. Und so wagte ich den Schritt, einen Antrag auf das Aufenthaltsbestimmungsrecht beim zuständigen Amtsgericht zu erwirken.

Und ich habe gewonnen. 

Nun bin ich also alleinerziehender Papa. In § 21 Absatz 3 SGB II wird als alleinerziehend bezeichnet, wer ohne Hilfe eines anderen Kinder unter 18 Jahren großzieht. Das können beispielsweise auch Pflegeeltern oder Großeltern sein. Auch wenn beide Elternteile das Sorgerecht (elterliche Sorge) im juristischen Sinne innehaben, was seit dem 1. Juli 1998 in Deutschland nach einer Scheidung der Normalfall ist, hat das Kind in der Regel bei einem Elternteil den Lebensmittelpunkt. Dieser entscheidet über die alltäglichen Belange des Kindes.

Die Mutter darf das Kind 2x pro Woche für ein paar Stunden abholen. Eigentlich sollte einen die Situation extrem schlauchen. Das Verarbeiten der gescheiterten langjährigen Beziehung, eine Vollzeitbeschäftigung und dazu ein Kind. Dazu die Tatsache, dass ich extrem viele Hobbys habe die auch ihren zeitlichen Tribut fordern. Doch scheinbar habe ich im Leben doch einiges richtig gemacht. Ich habe mich zur rechten Zeit ausgetobt. Mein Leben war zur rechten Zeit eine Dauerparty so dass ich das fälschliche Gefühl, "ich könnte durch das Kind etwas verpassen" nicht mehr habe. 

So heisst es also, sich gut zu organisieren. Mein Job macht mir Spaß, das Kind ist derweil in einer kleinen KiTa gut untergebracht. Teilweise kann ich meine Hobbys gut mit meinem extrem wissbegirigen Jungen vereinen. Wenn Papa alte Videorekorder repariert oder mit Computern herumspielt ist der kleine begeistert dabei und lernt auch vieles. -

Die Monate vergehen, und aus der erst neuen und ungewohnten Situation wird schneller Alltag als man gucken kann. Und so konnte ich mit meinem Sohn dieses Jahr auch zum ersten Mal alleine in den Urlaub fliegen. Auch hiervor hatte ich erst gewisse Vorbehalte. Allein mit einem 2-jährigen Kind in den Urlaub fliegen. Schaffe ich das? - Klar schaffe ich das! Ich schaffe alles wenn ich es wirklich will!

Fragt man sich nun: Warum schreibe ich das hier eigentlich? Nun zum ersten ist das meine private Internetseite hier geht es schliesslich nur um mich ;-) Aber der eigentliche Grund ist ein anderer. 

In jeder fünften Familie in NRW ist ein Elternteil auf sich allein gestellt: Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Landesamt veröffentlicht hat. Die meisten Alleinerziehenden sind Frauen [1]

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es 2013 in NRW etwa 339 000 alleinerziehende Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern. Von ihnen waren 307 000 Frauen. Die Zahl der alleinerziehenden Männer mit Kindern unter 18 Jahren ist demnach auf 32 000 zurückgegangen [2]

Und genau hier wird es interessant. Scheinbar gehöre ich als alleinerziehender Papa zu einer sehr seltenen Spezies. Und ich frage mich, warum das so ist. 

Ich denke 2014 leben wir in einer Zeit, wo man auch als Mann problemlos das Selbstbewusstsein haben sollte, die Hauptbezugsperson für das eigene Kind darstellen zu können.

Denn wenn man wie ich nach langen Jahren von seiner Freundin verlassen wird, weil diese Partyleben ihrem Kind genauso vorzieht als sich lieber den nächstbesten zum neuen Freund zu angeln anstatt an eventuellen Beziehungsproblemen zu arbeiten sollte man doch dann das eigene Kind nicht dem chaotischen Lebensstil der Mutter überlassen. OK natürlich ist es auch manchmal genau andersherum. Manchmal aber auch nicht. Und trotzdem überlassen viele Väter den chaotischen Müttern ihren Nachwuchs und zahlen freiwillig Unterhalt wissentlich, dass die Kinder es bei ihnen besser haben können.
Und als Mann ist man sehr wohl in der Lage, ein Kind alleine großzuziehen. Man(n) muss es nur wollen und sich von veralteten Klischees verabschieden. Und Selbstbewusstsein sollte man mitbringen!



Man kann Job und Kind vereinbaren wenn man es will. Und schnell wird man auch merken: Das Kind wird einem zeigen, wie sehr es das schätzt, dass Papa sich kümmert!

Ich werde nun bloggen (wenn ich Zeit habe!) ihr werdet von mir hören.

[1] http://www.derwesten.de/region/immer-mehr-eltern-in-nrw-erziehen-kinder-alleine-id10023630.html
[2] http://www.focus.de/regional/duesseldorf/familie-alleinerziehende-sind-in-nrw-vor-allem-frauen_id_4263698.html